Clara antwortet Nathanael auf dessen vorherigen Brief, den er versehentlich an sie statt an ihren Bruder Lothar adressiert hatte. Sie gesteht, dass sie das Schreiben trotz des offensichtlichen Versehens ganz las und von Nathanaels düsteren Schilderungen über den Tod seines Vaters sowie über Coppelius und Giuseppe Coppola zunächst tief erschüttert und von Alpträumen geplagt wurde. Nachdem sie jedoch ihre Fassung wiedererlangt und die Vorfälle mit Lothar sowie einem erfahrenen Apotheker besprochen hat, legt sie Nathanael eine rationale Deutung seiner Ängste dar. Sie argumentiert, dass das Entsetzliche vor allem in seinem eigenen Innern entstehe und der Tod des Vaters vermutlich ein tragischer Unfall bei chemischen Experimenten war. Sie ermahnt ihn, die düsteren Gestalten aus seinen Gedanken zu verbannen, und kündigt an, ihm im Geiste als Schutzgeist beizustehen, um die Schreckgestalten mit heiterem Lachen zu vertreiben.
Zeigt sich trotz anfänglicher emotionaler Erschütterung als vernunftbetonte, heitere und reflektierte Persönlichkeit, die psychologische Erklärungen für Nathanaels Wahn sucht.
Zum Profil →Erscheint in Claras Analyse nicht als übernatürliche Schreckgestalt, sondern als ungeschickte Projektionsfläche für Nathanaels kindliche Traumata.
Zum Profil →Wird durch Claras Schilderung als fantasiebegabter, aber psychisch hochgradig verletzlicher und von inneren Dämonen geplagter Mensch charakterisiert.
Zum Profil →Verkörpert die nüchterne, naturwissenschaftliche Erklärung für den tödlichen Unfall von Nathanaels Vater.
Zum Profil →Wohnort/Zuhause von Clara und Lothar
Apotheke des Nachbarn (erwähnt)
Zunächst aufgewühlt und beängstigend, dann zunehmend vernunftgeleitet, heiter und aufklärend.
Briefliche Kulisse; Erwähnung häuslicher Details wie Fenstergardinen und chemischer Gerätschaften im Rückblick.
Claras Vorahnung, dass Nathanael ihren rationalen Standpunkt als gefühlskalt ablehnen könnte; die Warnung vor der zerstörerischen Kraft der Hingabe an dunkle Einbildungen.
Wahr ist es, daß Du recht lange mir nicht geschrieben hast, aber dennoch glaube ich, daß Du mich in Sinn und Gedanken trägst. Denn meiner gedachtest Du wohl recht lebhaft, als Du Deinen letzten Brief an Bruder Lothar absenden wolltest und die Aufschrift, statt an ihn an mich richtetest. Freudig erbrach ich den Brief und wurde den Irrtum erst bei den Worten inne: »Ach mein herzlieber Lothar!« – Nun hätte ich nicht weiter lesen, sondern den Brief dem Bruder geben…