In einem Brief an seinen Jugendfreund Lothar berichtet Nathanael von einem zutiefst verstörenden Ereignis: Am 30. Oktober trat ein Wetterglashändler in seine Stube, in dem Nathanael die Schreckensgestalt seiner Kindheit wiedererkannte – den Advokaten Coppelius bzw. den gefürchteten Sandmann. Um seine panische Reaktion verständlich zu machen, schildert er rückblickend traumatische Erinnerungen aus seiner Kindheit. Als Kind fürchtete sich Nathanael vor dem abendlichen Erscheinen des vermeintlichen Sandmanns, den die Mutter ankündigte, um die Kinder ins Bett zu schicken. Angetrieben von Neugier und Schauergeschichten der Kinderfrau versteckte sich Nathanael eines Abends im väterlichen Arbeitszimmer und entdeckte, dass der verhasste Coppelius der Sandmann war. Zusammen mit Nathanaels Vater vollführte Coppelius alchimistische Experimente an einem verborgenen Herd. Coppelius entdeckte Nathanael, misshandelte ihn grausam und bedrohte seine Augen, bevor der Vater intervenierte. Ein Jahr nach dieser traumatischen Nacht kehrte Coppelius ein letztes Mal zurück; die Sitzung endete mit einer tödlichen Explosion, die den Vater das Leben kostete, während Coppelius spurlos floh. Nathanael offenbart Lothar nun seine feste Überzeugung, dass jener vor wenigen Tagen aufgetauchte Händler – der sich Giuseppe Coppola nennt – in Wahrheit Coppelius sei. Entschlossen, den Tod seines Vaters zu rächen, bittet Nathanael Lothar, der Mutter nichts davon zu sagen und seiner Braut Clara Grüße zu übermitteln.
Zeigt sich von Kindheitstraumata und Wahnvorstellungen gequält; schwankt zwischen Verzweiflung und Rachedurst; glaubt unerschütterlich an das Wiederauftauchen seines Peinigers.
Zum Profil →Erscheint aus Nathanaels Perspektive als dämonische, grausame Figur des Bösen, die Zerstörung und Verderben bringt.
Zum Profil →Wird als liebevoller Vater geschildert, der jedoch unter dem unheimlichen, verhängnisvollen Einfluss von Coppelius stand.
Zum Profil →Fürsorgliche und besorgte Mutter, die unter der bedrohlichen Anwesenheit von Coppelius leidet.
Zum Profil →Wird als vernunftbetonter Freund dargestellt, der Nathanaels Erzählungen möglicherweise für Kindereien hält.
Zum Profil →Erscheint als geliebtes Wesen mit heiterer, vernünftiger Ausstrahlung.
Zum Profil →Trägt maßgeblich zur Entstehung von Nathanaels Sandmann-Trauma bei.
Zum Profil →Reine Hintergrundfigur im Schreckensmoment.
Zum Profil →Nathanaels Studierstube (Gegenwart) / Das elterliche Wohnhaus, insbesondere das Arbeitszimmer des Vaters (Rückblende)
Kinderstube, Korridor, Nathanaels Kämmerchen; der Halbmond (im Ammenmärchen); Piemont (als Herkunftsort Coppolas)
Unheimlich, albtraumhaft, düster, angstgeladen und melancholisch.
Runder Tisch mit Tabaksqualm; eine geheime Wandhöhlung mit Herd, blau zischenden Flammen und alchimistischem Gerät; dicker, erstickender Dampf nach einer Schießpulver- oder Kesselexplosion.
Nathanaels Vorahnung eines drohenden tödlichen Geschicks, das Augen-Motiv und seine Entschlossenheit, Rache an Coppola/Coppelius zu nehmen.
Gewiß seid Ihr alle voll Unruhe, daß ich so lange – lange nicht geschrieben. Mutter zürnt wohl, und Clara mag glauben, ich lebe hier in Saus und Braus und vergesse mein holdes Engelsbild, so tief mir in Herz und Sinn eingeprägt, ganz und gar. – Dem ist aber nicht so; täglich und stündlich gedenke ich Eurer aller und in süßen Träumen geht meines holden Clärchens freundliche Gestalt vorüber und lächelt mich mit ihren hellen Augen so anmutig an, wie sie wohl pflegte,…