TalePal Chapter Analysis
Buch: Der Sandmann

Kapitel 1: Kapitel 1: Nathanael an Lothar

• Die erzählte Zeit umfasst mehrere Jahre an Kindheitserinnerungen sowie wenige Tage im aktuellen Briefzeitraum.
3,046
Wörter
8
Charaktere
4
Themen

Zusammenfassung

In einem Brief an seinen Jugendfreund Lothar berichtet Nathanael von einem zutiefst verstörenden Ereignis: Am 30. Oktober trat ein Wetterglashändler in seine Stube, in dem Nathanael die Schreckensgestalt seiner Kindheit wiedererkannte – den Advokaten Coppelius bzw. den gefürchteten Sandmann. Um seine panische Reaktion verständlich zu machen, schildert er rückblickend traumatische Erinnerungen aus seiner Kindheit. Als Kind fürchtete sich Nathanael vor dem abendlichen Erscheinen des vermeintlichen Sandmanns, den die Mutter ankündigte, um die Kinder ins Bett zu schicken. Angetrieben von Neugier und Schauergeschichten der Kinderfrau versteckte sich Nathanael eines Abends im väterlichen Arbeitszimmer und entdeckte, dass der verhasste Coppelius der Sandmann war. Zusammen mit Nathanaels Vater vollführte Coppelius alchimistische Experimente an einem verborgenen Herd. Coppelius entdeckte Nathanael, misshandelte ihn grausam und bedrohte seine Augen, bevor der Vater intervenierte. Ein Jahr nach dieser traumatischen Nacht kehrte Coppelius ein letztes Mal zurück; die Sitzung endete mit einer tödlichen Explosion, die den Vater das Leben kostete, während Coppelius spurlos floh. Nathanael offenbart Lothar nun seine feste Überzeugung, dass jener vor wenigen Tagen aufgetauchte Händler – der sich Giuseppe Coppola nennt – in Wahrheit Coppelius sei. Entschlossen, den Tod seines Vaters zu rächen, bittet Nathanael Lothar, der Mutter nichts davon zu sagen und seiner Braut Clara Grüße zu übermitteln.

Ereignisse

Event 1
beginning
Nathanael wird in seiner Stube von einem Wetterglashändler heimgesucht und weist ihn ab.
«am 30. Oktober mittags um 12 Uhr, ein Wetterglashändler in meine Stube trat»
Event 2
early
Nathanael erinnert sich an die abendlichen Besuche des Sandmanns und die Ammenmärchen der Wartefrau.
«in meinem kindischen Gemüt entfaltete sich deutlich der Gedanke»
Event 3
middle
Nathanael versteckt sich im Zimmer des Vaters, entdeckt Coppelius und wird von ihm misshandelt.
«Der Sandmann, der fürchterliche Sandmann ist der alte Advokat Coppelius»
Event 4
late
Ein Jahr später kehrt Coppelius zurück; eine Explosion tötet den Vater, Coppelius entkommt.
«Vor dem dampfenden Herde auf dem Boden lag mein Vater tot»
Event 5
end
Nathanael identifiziert den Wetterglashändler als Giuseppe Coppola / Coppelius und schwört Rache.
«Er gibt sich hier, wie ich höre, für einen piemontesischen Mechanikus aus»

Schauplätze

Hauptschauplatz

Nathanaels Studierstube (Gegenwart) / Das elterliche Wohnhaus, insbesondere das Arbeitszimmer des Vaters (Rückblende)

Weitere Orte

Kinderstube, Korridor, Nathanaels Kämmerchen; der Halbmond (im Ammenmärchen); Piemont (als Herkunftsort Coppolas)

Atmosphäre

Unheimlich, albtraumhaft, düster, angstgeladen und melancholisch.

Umgebung

Runder Tisch mit Tabaksqualm; eine geheime Wandhöhlung mit Herd, blau zischenden Flammen und alchimistischem Gerät; dicker, erstickender Dampf nach einer Schießpulver- oder Kesselexplosion.

Themen & Verbindungen

Das Unheimliche und das DoppelgängermotivKindheitstrauma und psychische ObsessionAugenmotiv und Verlust der Sehkraft / IdentitätAlchimie und verbotene Wissenschaft

Vorausdeutung

Nathanaels Vorahnung eines drohenden tödlichen Geschicks, das Augen-Motiv und seine Entschlossenheit, Rache an Coppola/Coppelius zu nehmen.

Kapitelinhalt

Kapitel 1: Nathanael an Lothar

Gewiß seid Ihr alle voll Unruhe, daß ich so lange – lange nicht geschrieben. Mutter zürnt wohl, und Clara mag glauben, ich lebe hier in Saus und Braus und vergesse mein holdes Engelsbild, so tief mir in Herz und Sinn eingeprägt, ganz und gar. – Dem ist aber nicht so; täglich und stündlich gedenke ich Eurer aller und in süßen Träumen geht meines holden Clärchens freundliche Gestalt vorüber und lächelt mich mit ihren hellen Augen so anmutig an, wie sie wohl pflegte,…